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Phanstastisch. Finnlandia mit Regenbogen. Praktisch perfekt getimt. Phänomenal. Kür mit Szenenapplaus. Großartig im Großen Garten. Beeindruckend gut.

Schule ohne ...?

Miteinander!

So / nicht

Freitag war die erste und Samstag die zweite Premiere unseres Großprojekts "Jekyll and Hyde". Zeit für Listen:

So gehts: das Gefühl haben, so lebendig zu sein, im richtigen Moment zuschlagen, falsche Eintrittskarten vorzeigen, Text vergessen und weitersingen, mit Big Ben aus der Pause kommen, Solo mit kaputtem Instrument spielen, zum Dirigenten gucken, Spenden geben, weit entfernt von "nur ok" sagen, mit Freunden Premierenparty feiern, Licht ausmachen.

So nicht: Namen vergessen, Ansage nicht vorbereiten, Kreuz runterreißen, Aufgaben falsch zuordnen, Einsatz verschlafen, zu Mamas Geburtstag gehen, in der Pause Kulissen reparieren, blaue Hosen tragen, Applaus nicht abholen, Applaus einfordern, alles alleine austrinken, Alarmanlage scharfstellen.

Feiern 2

DAS Highlight der Party

Geburtstag zu feiern ist schon eine schöne Sache. Besonders dann, wenn die Gäste so gut mitspielen. (Fast) einjeder kam ans Buffet und stellte die gleiche Frage: "Sind in der Torte Mettbällchen drin?" So wurde die Torte der heimliche Star der Party und war in aller Munde - die Vegetarier hatten abgesagt.

C'est la vie

Ichso: Ach bitte.
Das Lebenso: Nö!

Feiern 1

Ein ganz normaler Derbymorgen

Des einen Freud, des anderen Leid. Konnten die einen Ostersonntag feiern, mussten die anderen hart arbeiten. Die Einsatzpolizei der Landeshauptstadt wurde unterstützt von Verbänden u.a. aus Osnabrück, Oldenburg, Vechta, Uelzen - und Braunschweig. Derbysieger, Derbysieger, hey, hey! Die einen konnten feiern, die anderen nicht.

Non scolae sed vitae discimus

Neulich an der Kasse eines Fastfood-Restaurants. Der junge Mann war sehr gewissenhaft und schnell bei der Arbeit. So schnell, dass er, als ich ihm einen Schein gab, bereits seine Kasse bediente. Dass ich ihm dann noch kleine Münzen gab, um mir das Portemonnaie zu erleichtern, überforderte ihn komplett.

Als erstes sah er mich fassungslos an. Dann starrte er abwechselnd auf die Münzen und das Display seiner hilflosen Kasse. Dann entspannten sich seine Gesichtszüge und er holte sein Smartphone aus der Tasche. Schnell, der Rechner. Wo war der nochmal? Hier? Nein. Noch einen weiter. Und noch einen. Nein, zu weit. Ah, da. Endlich.

Er hielt einen quälend langen Augenblick inne und erkannte, dass er keinen blassen Schimmer hatte, was er eigentlich rechnen musste. Stirnrunzeln. Die Schlange wuchs. Die Chefin kam, drehte mir den Rücken zu, redete auf ihn ein. Und ging wieder. Sah er mich jetzt verärgert an? Dann, endlich, hat er das Ergebnis ermittelt, dachte ich, denn er öffnete entschlossen die Kasse. Doch stattdessen gab er mir meine Münzen zurück, ein paar kleinere Scheine und viele schwere, kleine Münzen dazu. Immerhin noch ein "es tut mir leid" obendrauf. Jetzt weiß ich, warum alle immer McDoof sagen. 

PS: Portemonnaie ist französich und heißt Geldträger. Die bei McDoof dürfen neuerdings auch Portmonnee sagen. Sieht einfacher aus, heißt dann aber irgendwas mit Hafen. PS ist die Abkürzung für postscriptum, ist lateinisch und heißt dahintergeschrieben.

... glänzen hoch am Himmelszelt.

Millionen Sterne glühen ...

God bless America?

Sollte die amerikanische Tourismusindustrie darauf spekuliert haben, mich in den USA begrüßen zu dürfen, so hat sie sich getäuscht. Fingerabdrücke bei der Einreise: ohne mich. Und ich - sollte ich noch Zweifel gehabt haben, je in die USA fahren zu wollen, so sind die heute für mindestens vier Jahre weggewischt worden. God bless America, es hat es nötig.

Das Glück des Tages

Sonntag Morgen. Riesenschlange beim Bäcker. Kein Platz für alle Kunden im Laden, sie stehen bis nach draußen. Es kommt kalt rein. Alle sind noch müde. Eine leichte Reizung liegt in der Luft, so lange zu warten, war nicht vorgesehen. Man versucht höflich zu sein. Nicht allen gelingt es. Ein kleiner Junge, vielleicht fünf, steht auch in der Schlange, ganz geduldig. Als er dran ist, übersieht ihn die Backwarenfachverkäuferin erst. 

Sieso: Ach, erst der junge Mann hier. Was möchtest du denn?
Erso: Ein Zuckerhörnchen, bitte.
Sieso: Zuckerhörnchen sind aus, willst du ein Milchhörnchen haben?
Erso überlegt einen Moment. Ja, Milchhörnchen geht auch.
Sieso: Möchtest du noch etwas?
Erso: Ich möchte meine Mutter überraschen.

Alle erwachen. Schauen den Jungen an. Wie ein Glockenschlag hallt der Satz in dem Laden und den Köpfen nach. Und alle Anspannung entweicht. Sie weicht einer allumfassenden Wonne.

Sieso ist sprachlos. Und lächelt in Gedanken.
Erso: Und noch ein Rosinenbrötchen.
Sieso packt stumm das Brötchen ein.
Erso: Und ein Normales.
Sieso hat ihre Stimme wieder: Das macht 2 Euro 60.
Erso: Nein, ich muss bei 3 Euro rauskommen. Zwei Normale!
Sieso legt noch ein Normales dazu: Dir geb ich das auch für 3 Euro.
Erso hantiert ewig mit seinem Portemonnaie: Ich krieg 1 Euro raus.

Die Menschen im Laden lächeln, sie reden, spaßen und lachen miteinander. Und sind beseelt von einem Moment des Glücks und der Liebe eines unschuldigen Kindes.

Ernestus Augustus I Rex Condidit Arti et Musis

Radfahrerleiden durch unnötige Hindernisse

Normalerweise jammere ich ja nicht. Jetzt aber doch. Das muss ich jetzt mal sagen...

Die Fahrt auf den Radwegen der Landeshauptstadt ist keine leichte. Immer wieder tauchen Hindernisse auf. Es folgt eine Aufzählung, die auf keinen Fall vollständig ist, aber schon jetzt lang genug, um sich zu beklagen.

  • Fußgänger, die gedankenlos auf dem Radweg spazieren, anstatt zwei Meter weiter rechts auf dem Fußweg,
  • Fußgänger, deren an der Leine gassi geführter Hund plötzlich quer über den Radweg läuft und mit der Leine einen Fallstrick baut,
  • Fußgänger, die behaupten, dafür gäbe es eine Klingel,
  • Radfahrer, die auf der falschen Seite entgegen kommen,
  • Radfahrer, die in Schlangenlinien fahren, damit sie nicht überholt werden können,
  • Radfahrer, die zu zweit seelenruhig nebeneinander fahren,
  • Autofahrer, die rechts abbiegen, ohne die Vorfahrt zu achten,
  • Autofahrer, die aus einer Einfahrt kommen und sich dickfällig auf den Fahrradweg stellen, obwohl sie auch zwei Meter weiter vorne die gesamte Straße überblicken könnten,
  • Autofahrer, die aus einer Einfahrt kommen und einfach fahren, obwohl sie die Vorfahrt achten müssten,
  • Autofahrer, die auf dem Radweg anhalten, um ihren Beifahrer aussteigen zu lassen,
  • Autofahrer, die auf dem Radweg parken,
  • Autofahrer, die denken, dass "Rechts vor Links" nur bei Autos gilt,
  • Scherben von Bierflaschen, die achtlos (oder absichtlich?) auf dem Radweg zerdeppert wurden,
  • Baustellenzäune, die ohne Ausweichmöglichkeit aufgestellt sind,
  • Ampeln, die für Radfahrer ohne ersichtlichen Grund rot zeigen, während Autofahrer und Fußgänger grün haben.

 Grrr.

Endlich Winter

Endlich Winter

R.I.P

Auch für mich war er ein Vorbild. Politisch. Nicht Menthol. Deutschland hat einen seiner Größten verloren.

Ach, die Ferien!

Logisch: Summensuche!

Hannes Seppel

Design: Hannes B. aus E.

Allen, die glauben, ich wäre am 21. März geboren, möchte ich genau heute sagen, dass das mein guter Freund Hannes
aus E. war. Für mich ist er einer der größten Musiker aller Zeiten, nicht nur wegen seiner begeisternden Kompositionen, sondern auch, weil nach seinem Tod eine ganze Epoche endete. Und wer kann schon von sich sagen, er sei epochemachend?

Ihm und mir wünsche ich, was schon ein anderer guter Freund wünschte - Willy B. aus W. - und was mir genau heute zufällig in die Hände fiel:

"Will das Glück nach seinem Sinn
         Dir was Gutes Schenken,
Sage Dank, und nimm es hin
         Ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt,
         Doch vor allen Dingen:
Das, worum Du Dich bemühst,
         Möge Dir gelingen!"

Eine Woche Sizilien

Catania: OMG, ist das hier laut. Syrakus: der Chor im Ohr des Dionysus? Amphitheater ist eine laute Baustelle. Taormina: Wenn das Theater langweilt, kann man immer noch dem Ätna zuschauen. Ätna: 3 Meter Schnee, 3 Meter Sicht. Von unten eindrucksvoller. Villa Ronana del Casale: Ich hab Lust bekommen, selbst ein Mosaik zu basteln. Agrigent: "Tal der Tempel" ist ein Werbegag. Die stehen alle auf dem Berg. Cammerata: "Die Sizilianer gehen gerne spazieren mit dem Auto." Am Palmsonntag. Seliunt: riesige Tempel E, F und G. Ein Kapitell ist so groß wie mein Zimmer. Marsala: bester Stop zwischen Salinen und Salzmühle. Nur der Caffe fehlte. Segesta: rätselhafter vor-griechicher Tempel. Zingaro: Küstenwanderung mit überwältigenden Ausblicken. Palermo im Schnelldurchgang: Müllchaos. Sizilianer lenken ihre Fahrzeuge ohne Sinn und Verstand. Normannenpalast, Kathedrale, Chiesa San Giovanni degli Emiriti und Monreale. Spaghetti pomodoro in 3 Minuten einatmen. Cefalu: Endlich Pause mit lecker Pistazieneis.

Ein seltenes Ereignis

Partielle Sonnenfinsternis

Man könnte meinen, es sei ein Schulfest gewesen. Der ganze Hof voller Schüler und ihrer Lehrer. Fröhlich ausgelassene, bisweilen sogar neugierige Stimmung. Und alle eint die Vorfreude auf ein seltenes kosmisches Ereignis. Die Kollegen der Naturwissenschaften haben Teleskope aufgestellt, mit deren Hilfe die Sonne und der sie verdeckende Mond auf ein Blatt Papier gespiegelt werden konnten. Natürlich war das Papier ganz praktisch an einem Notenständer befestigt, wodurch ich mich zu der Bemerkung hinreißen ließ, dass auch in der Naturwissenschaft ohne die musikalische Unterstützung nichts läuft.

Beim zwanglosen Rumstehen ergab sich dann noch folgendes erheiterndes Gespräch zwischen Lehrer und Schüler:

L.so: "Beim nächsten Mal schaue ich die Radieschen schon von unten an."
S.so: "Ja, sie sind schon ganz schön alt."
L.so: "Danke, aber du hast ja recht."
S.so: "Wenn Sie das doch auch mal im Unterricht zu mir sagen würden."
L.so: "Ich will ja, aber du machst es mir wirklich schwer, das zu sagen."
S.so: "Ja, die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die nächste Sonnenfinsternis 2081 noch erleben werden, ist wohl höher, als dass ich im Unterricht mal was Gutes sage."

Auch eine solch ehrliche Selbstreflexion ist ein eher seltenes Ereignis.

Pinkmax

Pinkmax

Nur einmal im Jahr haben wir Hannoveraner das Vergnügen unseren Max in pink - Verzeihung: magenta - zu erleben. Sieht er nicht schmuck aus? Das bedeutet auch gleichzeitig, dass die Frau Bundeskanzler in der Stadt ist.

Diese Freude - ich meine den pinken Max - erkaufen wir uns aber mit den wenig beliebten Maßnahmen A + R, die für Staus und Nerven sorgen. Und für weniger Schlaf, muss man doch vor ihnen raus und nach ihnen wieder rein.

So schmuck ist Max nun auch wieder nicht.

So klingt ein sonniger Sonntag

Boot geht - hoch. Norden offen. Langer Arm. Auf die Rolle. Holt die Skulls. Mannschaft fertigmachen zum Einsteigen. Mannschaft stößt - ab. Aus den Armen. Ruder - los. 

Ruder - halt. Blätter ab. Fertigmachen zur Wende über Backboard. Wende - los. Wende - halt. Einstellen. Klarmeldung aus dem Bug. 1 klar, 2 klar, 3 klar, 4 klar, 5 - ?, 6 klar, 7 klar, 8 klar.

Schlagaufbau. Aus den Armen. Ruder - los. Auf 3 Schultern dazu. 3, 2, 1, Schultern zurück. Auf 3 mit Oberkörper. 3, 2, 1, mit Oberkörper. Viertel Rolle nach 3, 2, 1, viertel Rolle. Halbe Rolle nach 3, 2, 1, halbe Rolle. Ganze Rolle nach 3, 2, 1, ganze Rolle.

Und ruuuuhig rollen, ruuuuhig rollen. Endzug betonen, Schub, Schub, Schub, Schub. Gemeinsam setzen. Und Schub, Schub, Schub, Schub. Und 10 Dicke nach 3, 2, 1, 10 Dicke! 9, 8, 7, 6, 5, Kraft aus den Beinen, 4, 3, Endzug betonen, 2, 1. Und nochmal 10! 9, 8, 7, 6, dranbleiben, 5, 4, 3, 2, 1. Und frei weg.  

TGIF

Wollen Sie mal in das Heidekaff fahren, das hier aus Gründen der anonymen Geheimhaltung nur mit H. bezeichnet wird? Dann passen Sie aber auf, auf dem Rückweg können Sachen passieren.

Erstmal eine Schnarchnase vor mir. Und das will schon was heißen, bei meiner schnarchnasigen Fahrweise.

Dann wild aggressive Drängler hinter mir, einer von denen überholt mich halsbrecherisch im Affentempo. Dumm nur, dass auf der Gegenfahrbahn ein ebensolcher Affe in ebensolchem Tempo angerauscht kommt. Affe 1 reißt sein Auto ca. 1 Meter vor meinem wieder nach rechts, Affe 2 - anstatt zu bremsen - hupt mit Licht und Schall. Ich in die Eisen, damit ich nicht in einen Unfall verwickelt werde ... und habe um ein Haar den dritten Affen im Kofferraum. 

Zur Abkühlung darf ich dann an einer roten Ampel halten. Die Affen sind längst über alle Berge. Und weit und breit kein anderes Auto. Nicht mal ein Fußgänger oder gar ein Fahrrad (in der Gegend sowieso eher selten anzutreffen). Nichts und niemand zu sehen. Nur die rote Ampel.

Als die Ampel wieder grün wird, schleicht ein Zug mit zig Panzern vorbei. Beeindruckend und beängstigend zugleich. Ich bin einen kurzen Moment in Gedanken - wie findet man mit so einem SUV einen Parkplatz? -, dass ich beinahe das Wild übersehe, das verkehrswidrig bei rot die Straße überquert. Das war wohl Rotwild.

Zuguterletzt erreiche ich den Hof mit Müh und Not. TGIF.

Alle Jahre wieder

Achtung Weihnachtsbaum

Der Elfte Elfte Elf Uhr Elf

In Köln feiert man aus mir unerfindlichen Gründen Karneval. Sie nennen das die "fünfte Jahreszeit" und die beginnt am 11.11. um 11:11 Uhr. Wildfremde Menschen quetschen sich gegenseitig über Plätze und in Kneipen, besaufen sich gegenseitig mit Bier, das den Namen nicht verdient, weil zu dünn und stellen am nächsten Morgen gegenseitig fest, dass sie den Mann neben sich im Bett noch nie gesehen haben. Irgendwas daran muss so toll sein, dass grundlegende Tatsachen kurzerhand ignoriert werden. Jeder weiß doch, dass es nur vier Jahreszeiten gibt (das hat schon Vivaldi gewusst). Oder haben sie schon mal im Hotel Fünf Jahreszeiten übernachtet?

Aber für Zweifler wie mich gibt es noch ein anderes Zeichen, dass das mit der 11 schon seine Richtigkeit hat: Der 1. FC Köln hat am 11. Spieltag der Fußball-Bundesliga 11 Punkte auf dem Konto, die 11 Spieler haben 11 Tore geschossen und 11 kassiert. Und steht damit in der Tabelle auf Platz - na? - 11 natürlich! Sowas finde selbst ich toll.

Ich wusste es!

Meine Füße

Ich hab es schon immer geahnt und jetzt hab ich die höchst doktorliche Bestätigung: Meine Füße sind nicht gleich groß! Vielmehr ist im Gegenteil mein linker Fuß (links im Bild) mit 306,0 mm deutlich größer als mein rechter Fuß (rechts im Bild), der nur 304,5 mm misst. Ha!

Der Schatten um die Füße ist nicht etwa meine Aura, sondern meine Hose.

Bremen überrascht

Natürlich Rathaus, Roland und Stadtmusikanten. Natürlich Schnoorviertel, Böttcherstraße und Schlachte. Natürlich Universum, Paula-Modersohn- und Übersee-Museum. Schon schön. Aber warum sind da soviele Touristen? Ich war zwar selbst einer, aber dennoch sehr überrascht, dass außer mir noch Zirkadien anderer dieselbe Idee hatten - Bremen zu besuchen. Und zu meiner weiteren Überraschung war Bremen wirklich sehr hübsch anzusehen, kulinarisch ein Genuss und höchst informativ. 

Besser als zu Hannover passt der Slogan zu der Rolandsstadt: Bremen überrascht.

Höhepunkte des Grünen Bandes

Die innerdeutsche Grenze ist nun 25 Jahre Geschichte. Wer heute auf dem Grünen Band spazieren geht, kommt mit ihr in Berührung.

  • Tag 1: Lübeck. Beeindruckende Altstadt.
  • Tag 2: Römnitz. Gedenkstätte geschliffenes Dorf Lenschow.
  • Tag 3: Roggendorf. Bloß weg hier.
  • Tag 4: Zarrentin am Schaalsee. Jacke-an-Jacke-aus-Wetter.
  • Tag 5: Langenlehsten. Wanderpause an der Autobahnraststätte.
  • Tag 6: Lauenburg. Grenzmuseum Leisterförde.
  • Tag 7: Neu Wendischthun. Deich! Starkregen nach Ankunft.
  • Tag 8: Hitzacker. Elbfähre.
  • Tag 9: Hitzacker. Geschichten der Flucht über die Elbe.
  • Tag 10: Dömitz. Dorfrepublik Rüterberg.
  • Tag 11: Lenzen. Zwei andere Grenzwanderer getroffen.
  • Tag 12: Schnackenburg. Grenzlandmuseum.
  • Tag 13: Zießau am Arendsee. Gedenkstätte geschliffenes Dorf Stresow.
  • Tag 14: Dolgow. Drei verlassene Bahnhöfe.
  • Tag 15: Dahrendorf. "Geht's noch? Oder soll ich euch ein Stück mitnehmen?"
  • Tag 16: Wittingen. Tag des internationalen Pferdes.

Insgesamt haben wir 315 km zu Fuß durch fünf Bundesländer zurückgelegt und dabei 19 Mal die ehemalige innerdeutsche Grenze überquert. Neben überabzählbar vielen Radwanderern haben wir nur zwei (!) weitere Grenzwanderer getroffen. Und das, obwohl wir unverschämtes Glück mit dem Wetter hatten.

Leider hab ich auch diesmal wieder zuviel mitgeschleppt. 

Eine komplexe Aufgabe

Die Begegnungen mit Klauss sind sehr oft lustig und stets lehrreich. Ersten hätte er eine Fortbildung absolviert zur Stressbewältigung. Da sollte er über ein Ereignis berichten, das ihn besonders aufgeregt habe und jetzt, da er daran wieder denken müsse, auch heute noch besonders aufrege. Gesagt getan und aufgeregt. Dann habe er die Geschichte nocheinmal erzählen sollen, doch dieses Mal unter Auslassung des Buchstabens "s". Der Effekt sei grandios gewesen: Alle sichtbare Aufregung schlich sich bei der Bewältigung dieser äußerst schwierigen Aufgabe davon wie eine schüchterne Schlange. Natürlich stand er dabei unter ständigem Stress keine "s" auszusprechen, hat diese Aufgabe aber selbstverständlich mit Auszeichnung gemeistert.

Mal sehen: 

Die Begegnungen mit Klauss (man verzeihe mir den Fehler bei dem Namen, der nun mal nicht ohne genannt werden kann) erheitern mich oft und belehren mich zugleich. Neulich war er auf einer Fortbildung zum Abbau von zuviel negativer Energie. Die Aufgabe war, über eine Begebenheit zu berichten, die ihn doll aufregte und auch heute noch doll aufregt. Er gehorchte und wurde dabei fürchterlich ärgerlich. Nun gut. Dann durfte er die Begebenheit erneut erzählen, doch ohne den 18. Letter zu benutzen. Der Effekt war überwältigend: Aller Ärger war bei der Bewältigung der komplexen Aufgabe urplötzlich gewichen, genau wie ein Regenbogen die Gewitterwolken vertreibt. Natürlich rotierten die Gehirnwindungen dabei auf Hochtouren, um den 18. Letter zu vermeiden. Doch ohne Zweifel hat er für die Aufgabe ein Extralob verdient.

Eine Frage habe ich aber noch: Wäre "ß" erlaubt?

Die Tragik der Sixtinischen Madonna

Es ließ sich der König von Polen
ein Kunstwerk von Raffael holen:
Madonna inmitten
zwei grinsender Putten,
die haben die Show ihr gestohlen.

Fidelio rettet Gatten vor Hinrichtung!

Ich stelle es mir in völliger Missachtung der historisch verbrieften Hintergründe so vor: Das musikalische Genie Beethoven hat auf dem Höhepunkt seiner Manneskraft mal eben eine Oper geschrieben, um eine Frau zu beeindrucken. Sie sollte so außergewöhnlich sein, dass seine Angebetete seine Avancen nicht würde ablehnen können. Dabei heraus kam Folgendes:

Leonore beschließt, ihren Mann Florestan aus der politischen Gefangenschaft zu retten. Dafür verwandelt sie sich in Fidelio, einen miesen mutigen Mann. Florestan wiederum war eingesperrt worden, weil er die Wahrheit über die Machenschaften des Gouverneurs Don Pizarro aufgedeckt hatte. Nach allerlei Verwicklungen, die bei der Kollegin dem Rotstift zum Opfer gefallen wären, gelangt Leonore / Fidelio schließlich in Florestans Kerker.

Jetzt geschieht das Entscheidende. Wohl deswegen hat sich Beethoven für diese Szene auch einen ganzen Akt lang - also etwa 45 Minuten - Zeit gelassen. Leonore / Fidelio erkennt ihren Ehemann nicht wieder, weil der zu sehr durch die Gefangenschaft gezeichnet ist. Sie / Er beschließt, ihn dennoch zu retten - wer immer er auch sei.

Damit hat Beethoven die Latte für seine potentielle Gattin so hoch gelegt, dass keine sie jemals überspringen konnte. Tragisch. Kein Wunder also, dass er die Oper immer wieder umgeschrieben hat.

Alles Gute zum Geburtstag, Wolfgang!

Nach Abschluss der Welturaufführung
sagt Joseph zu Mozarts 'Entführung':
"Gewaltig viel Noten."
"Soviel wie geboten",
entgegnet der, um die Etikette nicht zu verletzen, ganz ohne Rührung.

So/nicht!

Weihnachten ist vorbei, wie war das Fest? Zeit für eine Liste. So gehts:

Echte Bienenwachskerzen, die ganze Familie ist da, entspannter Mittagsschlaf, 7-Minuten-Predigt, Braten zum Fest, Kerzen rechtzeitig auspusten, Bescherung bis nach Mitternacht!

So nicht:

Billiges Paraffin, übersteuerte Weihnachtsgeschichte, Posaunenchorgejammer, Kerzen ausbrennen lassen, Baum brennt, Heizung an und Fenster auf, bei Kniffel nicht gewinnen!

Weihnachtsbäckerei

Ein wichtiger Teil von Weihnachten ist das richtige Essen. Es trägt nicht unerheblich zum Gelingen oder Scheitern des Festes bei und hebt oder senkt die Stimmung allgemein ungemein.

Das perfekte Essen muss her. Doch was heißt das? Alle Beteiligten zu befragen, welches Essen für sie das ultimative Weihnachtsessen ist, wird von privaten Fernsehsendern bis zum perfekten Exzess betrieben. Daran möchte ich mich nicht beteiligen. Soll man traditionell Kochen? Aber was? Gans? Rinderrouladen? Auf jeden Fall mit viel Fleisch. Manche schwören ja auf Bockwurst mit Kartoffelsalat. Einfach und lecker! Oder doch modern? Fondue? Raclette? Da können auch die Vegetarier satt werden. Oder eine Mischung von beiden? Eine komplexe Entscheidung.

Adventskalender

Adventskalender

Bald ist Weihnachten

Am letzten Sonntag des (Kirchen-) Jahres ist es nicht verkehrt, nicht nur über den Tod, sondern auch schon mal über das Leben danach nachzudenken. Nach dem Totensonntag, meine ich. Also die Adventszeit. Das ist dabei herausgekommen.

Nur noch vier Wochen, dann werden die Tage wieder länger.

Korrigierzeit ist Prokrastinierzeit

Facebook - Deutsch, Deutsch - Facebook. Bauchnabel des Computers. Surfen analog = Brockhaus-Nachschlage-Orgien. Nur noch 32 von 108. Korrigiersocken. iSurf. Graue Colorados. Zwiebelkuchen. 

Die Stadt im Zeichen der Burg

Nürnberg am Nationalfeiertag

Am Nationalfeiertag habe ich die ehemals freie Reichsstadt Nürnberg besucht. Eine beeindruckende Altstadt mit vielen (wiederaufgebauten) mittelalterlichen Gebäuden, viel historischem Stolz und einer alles überragenden Burg.

Ich habe gelernt, dass die Burg aus drei Teilen besteht, die von dem Kaiser, dem Burggrafen und der Reichsstadt genutzt wurden, dass sie selbst im 30-jährigen Krieg nicht eingenommen werden konnten, dass der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg dreimal so lang gedauert hat, wie die eigentliche Errichtung, und dass die Fensterscheiben nur für den Besuch des Kaisers eingesetzt wurden.

Von den Kaisern gab es viele. Albrecht Dürer fand, dass Karl der Große und Sigismund die wichtigsten waren (letzteren hat er so schlecht dargestellt, dass er ihn kaum gemocht haben kann), denn die beiden hat er in großen Porträts gemalt. Wie überhaupt so viele, die er gemalt hat. Seine Mutter Barbara (echt hässlich), seine Frau Agnes (wirklich hübsch) und seine reichen Auftraggeber (meist in vollem Ornat und mit merkwürdigen Bärten).

St. Lorenz auf dem Rost

Im jetzt katholischen und bayerischen, pardon fränkischen, Nürnberg sind sie seltsam stolz darauf, dass "die Stadt die erste der Reichsstädt war, die reformiert wurde." Im Gegensatz dazu finden sich in den zahlreichen (evangelischen) Kirchen auch heute noch haufenweise Madonnen und Heilige. St. Lorenz zum Beispiel. Der passt aber wieder zu Nürnberg, weil er ja wie die Bratwürstchen auf dem Rost liegen muss.

6 mit Kartoffelsalat

Überhaupt Essen: Nürnberg ist bekannt für seine Spezialitäten. Nürnberger Rostbratwürstchen, die man am Besten so bestellt: "8 mit Kraut und Meerrettich". Nürnberger Lebkuchen ist ja auch in Deutschland bekannt, in Nürnberg aber ist immer Weihnachten. Und neben dem fränkischen Flamkuchen mit Federweissem muss man natürlich auch mal ein "Schäufele" gegessen haben. Das lohnt. Genauso wie ein Besuch der Stadt im Zeichen der Burg.

Kichernde Maori

Kichernde Maori

Als ich neulich nebenan im Steakhouse war, setzten sich drei Muskelmänner an den Nebentisch: drei massige Maori mit mindestens 400 kg Gesamtgewicht, mit finsteren Mienen und Tätorwierungen auf Armen und Gesichtern. Mir war, als stünde ich den "All-Blacks" gegenüber, jener Rugby-Mannschaft Neuseelands, die vor jedem Spiel ihren "Haka-Tanz" zelebriert, um ihre Gegner einzuschüchtern.

Als die drei Männer aber anfingen, sich in ihrer seltsam klingenden Sprache zu unterhalten, saßen mir gefühlt plötzlich drei Fünftklässlerinnen gegenüber, die nicht mehr aufhören können zu kichern. Muskeln hin oder her, ich bin eben ein auditiver Mensch.

Qual der Wahl

In meinem Wahlkreis stehen mit Buhlman, von der Leyen und Döring gleich drei erfahrene und bekannte Bundespolitiker zur Wahl. Hier stimmt es tatsächlich: Egal wen ich wähle, alle drei werden im nächsten deutschen Bundestag vertreten sein, weil sie dank ihrer bisherigen Karrieren in der jeweiligen Partei auf ihren Landeslisten weit bis sehr weit oben stehen. An Abwählen ist da nicht zu denken, die Erststimme ist also überflüssig.

Und was ist mit der Zweitstimme? Taktisch wählen ist seit der überfälligen Neuregelung des Wahlrechts bezüglich der Überhangmandate schwieriger geworden. Vor allem die großen Parteien sehen nun keinen Sinn mehr darin, den kleinen ihre Wähler zu "leihen", weil die Überhangmandate nach dem tatsächlichen Zweitstimmenergebnis ausgeglichen werden. Also inhaltlich wählen? Das ist ja noch schwieriger. Selten war die Wahl so eine Qual.

PS: Ich nehme alles zurück, was das Abwählen betrifft. Döring wird nun wohl nicht mehr im Bundestag sitzen.

Freitag, der 13.

Normalerweise ist ein Freitag, der 13., für mich ein guter Tag. Alle um mich herum wittern Unbill, Unglück und Ungemach. Ich dagegen habe mit der 13 ein inniges Verhältnis, weil es meine Lieblingsprimzahl ist, weil ich an einem 13. geboren bin und, naja, TGIF. Diesmal aber wurde ich kalt erwischt von der Macht der 13.

Im Institut habe ich den Mr. Hyde-Karaoke-Wettbewerb zweifelsfrei für mich entschieden, das Internet ist wiedermal instabil und die eintreffenden Rechnungen sind unerwartet exorbitant. Aber dann die Erlösung: Der im Mai bestellte Bilderrahmen sei ENDLICH da und könne mitsamt dem Bild abgeholt werden. Ich hab es sofort aufgehängt und erstmal ausgiebig betrachtet. Das hat mich auch mit Freitag, dem 13., wieder versöhnt.

Pädagogische Ohrfeigen

Ich versteh die Welt nicht mehr. Die pädagogische. Ich hab gelernt - und war bisher auch überzeugt davon, dass das ein gutes Konzept sei -, dass Schüler besser mitarbeiten, wenn sie Einfluss auf den Unterrichtsverlauf nehmen können.

Also hab ich zum Schulbeginn den Schülern einer 10. Klasse die Möglichkeit gegeben, sich einen groben Überblick zu verschaffen, damit sie eine sachlich fundierte Entscheidung treffen können, welche Themen für sie mit welchem Schwerpunkt in welcher Reihenfolge zu behandeln wären. Ich hab am Ende doch tatsächlich zu hören bekommen, ich solle das allein entscheiden, schließlich hätte ich die meiste Erfahrung. Baff! Eine schallende Ohrfeige für das pädagogische Konzept. 

In der anderen Zehnten - man lernt ja dazu - fragte ich erst, ob sie über Reihenfolge und Schwerpunkte der Themen mitentscheiden wollen. Und wieder: Baff! Ich hörte ein müdes "Nö." Da muss ich wohl noch herausfinden, woran diese Jugendlichen interessiert sind. Mitbestimmung ist es jedenfalls nicht.

Wenn einer eine Reise tut

Wenn man nach England in den Urlaub fährt, braucht man viele Dinge. Als Erstes fällt einem da wohl die Regenjacke ein. Doch weit gefehlt. Hier einige Dinge, die ich über 300 km quer durch England getragen habe, ohne sie zu brauchen.

Über die Reise selbst hat die Mitwandererin bereits hervorragend und in sieben Etappen geschrieben. Das kann man hier, hier, hierhier, hier, hier und hier nachlesen.

Die Gerüchte stimmen

OSAR vom CGH

Mein Freund das Haus ist tot. Einst war es Heim für Generationen von Hausmeistern, dann wohnte darin ein Kiosk, aber vor allem beherbergte es den OSAR.

Der OSAR war der Oberstufen-Schüler-Aufenthalts-Raum. Eine schmeichelhafte Beschreibung für die dort herrschenden Zustände, von denen ich selbstverständlich nur gerüchteweise gehört habe. Im OSAR herrschte absolutes Lehrerverbot. Mit Ketchup beschmierte Wände, von jedem Jahrgang um eine weitere Schicht ergänzt, ranzige Sofas inklusive Brandlöchern von Zigaretten und Indoor-Grill-Partys sowie achtlos in die Ecke gekotzte Reste von ausschweifenden Gelagen. Der OSAR eben.

Und nun geht er den Weg alles Irdischen, fein säuberlich getrennt in drei Müllcontainern: Holz, Schutt und Rest. Da kommt dann doch - ein bisschen überraschend - Wehmut auf.

Fehlleistung

Man hört ja so vieles. Man hört Musik. Man hört das Gras wachsen. Man hört Stimmen. Manche hören aber mehr als andere, z.B. hört der amerikanische Geheimdienst NSA nicht nur die eigenen Stimmen, sondern auch die seiner Freunde. Das ist sehr praktisch, kann man doch seinem Freund bei der Behandlung der Stimmen helfen. Oder braucht nicht lange zu raten, was er denkt, und kann gleich eine Antwort auf seine bald gestellte Frage bereithalten. Man höre und staune.

Man hört auch Radio. Da hörte ich eine Freud'sche Fehlleistung: "Heute wurde bekannt, dass der NS-Geheimdienst USA ... Pardon ... der US-Geheimdienst NSA auch deutsche Bürger abhört." Hört, hört!

Wandersleute

Wenn ich erzähle, dass ich einen Wanderurlaub machen will, reagieren die Menschen sehr unterschiedlich und oft höchst amüsant. Meistens schlägt mir Bewunderung entgegen, doch schwingt manchmal auch Mitleid mit aus Sorge, ich könnte mir keinen richtigen Urlaub leisten. Andere interessieren sich für die Dauer oder die Länge des Wanderweges und sind dann sehr erstaunt: SIEB-ZEHN-TA-GE? Wieder andere erkundigen sich nach meiner Ausrüstung und geben kluge Tipps, was man auf jeden Fall mitnehmen müsse, ohne das könne der Urlaub auf keinen Fall gelingen. Die hübscheste Reaktion war aber diese, voller Entrüstung vorgetragen: Und das Gepäck? Wer trägt das Gepäck?

Sommer ist ...

... mit einem eisgekühlten Erfrischungsgetränk in der Hängematte liegen, am Strand Beachtennis spielen, Ferien haben, sich körperlich auf den Aktivurlaub vorbereiten (trainieren), Pfannkuchen mit Holunderblüten essen, Eis schlabbern, Straßenmusikern zuhören, weitere (Urlaubs-) Pläne schmieden, Tagesausflüge machen, danach erschöpft und glücklich in den Sessel sinken, Schatten suchen. Was noch? Was noch? Was noch? Herr Rossi sucht das Glück.

Woran erkennt man eigentlich den Sommer?

  • Die Pfützen auf den Straßen sind nicht mehr gefroren.
  • Der Regen wird wärmer.
  • Der kleine November wurde aus dem Mai abgeholt.
  • Der echte Nerz wird gegen den Ostfriesennerz getauscht.
  • Auf den Gummistiefeln sind Blumenmuster zu finden.

Todes Klang und Streichers Beitrag

Filmmusik ist eine faszinierende Sprache. Sie ist immer wieder neu und doch immer gleich.

Das Raumschiff macht sich auf den Weg in fremde Welten: Es erklingt heroische Musik, dominiert von schallernden Trompeten, geht dann über in dissonante Klänge mit viel Streichern als der Blick in die unendlichen Weiten gleitet, um dann den Start mit einem grandiosen Paukenschlag zu begleiten.
Noch deutlicher ist das Klischee bei den beiden langen Sterbeszenen in dem Film: durch die Zeitlupe gerechtfertigt treten plötzlich alle Schlachtgeräusche in den Hintergrund, tragische, klagende und herzzerreißende Musik setzt ein, um dem Trauernden das Leiden abzunehmen. Selbstverständlich kann diese Todesmusik ausschließlich von Streichern ausgeführt werden. Immer tiefer hinab geht die Melodie, von endlosen Seufzermotiven in die Verdammnis gezogen. Keine Pauken, keine Trompeten weit und breit. Von den hilflosen Dialogen hört man schließlich nur noch des Todes Klang des röchelnd Sterbenden, unterstrichen durch die teuflische Kraft der Streicher, der sich niemand entziehen kann. Nicht einmal ein Vulkanier, der per se keine Gefühle hat.

Da bestätigt sich wieder, was vorher schon allen klar war: Ohne Musik muss die Schauspielerleistung gerade in einer emotional so aufgeladenen Sterbeszene herausragend sein. Gut, dass wir die Musik haben.

Schnupperspaß

Gestern war Schnuppertag. Da schnuppern die Grundschul-großen und demnächst vielleicht Gymnasium-kleinen Viertklässler in die Schule hinein. Sie schnuppern an Latein- und Französischunterricht, an Frisbee und Schulgarten, an Chor- und Bläserklassen. Dieses Mal waren es besonders viele.

Auffällig waren eine Menge Aussagen zum Thema Spaß:

  • von Kollegen: Wir werden eine Menge Spaß haben. - Selbst Latein kann Spaß machen. - Viel Spaß beim Schnuppern.
  • von Eltern: Musik ist ja ein Nebenfach, das soll doch Spaß machen. - Der Spaß soll ja auch nicht zu kurz kommen. - Mein Kind lernt nur, was ihm Spaß macht.
  • von Schülern: Latein hat mir am meisten Spaß gemacht, die Lehrerin war so witzig. - Nein, Musik wähle ich nicht, das macht ja keinen Spaß.

Man konnte glatt den Eindruck gewinnen, dass die Schule dazu da sei, Spaß zu machen. Vor langer, langer Zeit hab ich das mal anders gelernt.

Die roten Schuhe

Trifft der Papst einen Papst ...

Natürlich ist der Papst selbst auch etwas Besonderes. Dass es jetzt zwei davon gibt natürlich erst recht. Und er sieht auch besonders aus. Dachte ich jedenfalls immer.

Denn jetzt ist etwas verloren gegangen, das mir am nicht-nur-sauber-sondern-rein-weißen Papst immer besonders gut gefallen hat: die roten Schuhe. Ihr unwiderstehlicher Schimmer ist schon öfter Inspiration gewesen: "Put your red shoes on, join me hon'" sang Bill Haley in "Rock Around The Clock" oder später Dawid Bowie in "Let's Dance" "Put on the red shoes an dance the blues". Unmissverständliche Aufforderungen.

Insofern waren die roten Schuhe für mich immer eine Verbindung zwischen dem Spirituell-Abgehobenen und dem Weltlich-Musikalischen. Unverholen wollte ich teilhaben an diesem größeren Ganzen, dem Streben nach etwas Besonderem, dem Einbringen in die Gemeinschaft und trug bei Gelegenheiten auch rote Schuhe.

Und nun trägt der Papst keine roten Schuhe mehr. Ich bin enttäuscht.

Kindergeburtstag

Frühstück mit weich gekochtem Ei, geschmücktes Platzset, Kerzen in der richtigen Anzahl (eine mehr als letztes Mal), alle machen, was das Geburtstagskind will, ein Ständchen, Glückwünsche von der Familie, Glückwunschpost öffnen, Geschenke! - dann: Glückwünsche von den anderen Kindern, die heute nicht Geburtstagskind sind, Glückwünsche von den Bestimmern, wieder Kerzen, wieder ein Ständchen - dann: Kuchen backen (den Lieblingskuchen des Geburtstagskindes), Gäste in Empfang nehmen, Geschenke!, wieder ein Ständchen, noch mehr Glückwünsche von den Freunden, weitere Kerzen, Kuchen essen, Spiele spielen, bei denen alle das Geburtstagskind gewinnen lassen - dann: Gäste verabschieden, ausgehen, flirten und ein weites Geschenk!

Kinder, so hab ich gelesen, sind durchschnittlich 60 Mal pro Tag hellauf begeistert. An einem solchen Tag sind sie es bestimmt noch viel häufiger.

Eine Woche Castilien

Samstag.   Über den Wolken

Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, sagt man. Ich hatte jetzt wieder Gelegenheit, mich vom Gegenteil zu überzeugen.

Schon bevor man einsteigt muss man aufpassen, sich nicht den Kopf zu stoßen. Von den anderen Passagieren durch den viel zu engen Gang geschoben ist man froh, heil seinen Platz zu erreichen, der, wenn man nicht aufgepasst hat, in der Mitte liegt zwischen dem Gangplatz, wo man evtl. noch die Chance haben könnte, zumindest das eine Bein lang zu machen, und dem Fensterplatz, wo man sich zwar den Kopf erneut stößt, man aber, wenn man tagsüber fliegt, wenigstens den Ausblick genießen könnte.

Da sitzt man nun also eingequetscht zwischen einem laut schnarchenden Ausblick-Ignoranten und einem ständig niesenden Zwerg mit Beinfreiheit, bekommt Kopfschmerzen von dem Motorenlärm und den sich temperamentvoll streitenden Eheleuten ein Reihe weiter hinten (offensichtlich Spanier) und einen immer trockener werdenden Hals von der brüllenden Klimaanlage, kann das Duty-Free-Magazin nicht lesen, weil die Arme keinen Platz haben umzublättern und die Zeitung nicht, weil die für die Business Class reserviert ist, kann nicht auf Toilette gehen, weil der Gang mit Servicewagen, Flugbegleiterinnen und eine Notdurft verrichten wollenden Menschen verstopft ist. Von Freiheit weit und breit keine Spur. Geschweige denn von der Saftschubse, pardon: dem Flugbegleiter, der meinen Hilferuf hätte entgegen nehmen oder zumindest auf andere Weise für eine gewisse feucht-fröhliche Ablenkung hätte sorgen können.

Die einzige Freiheit, die ich hatte, war, die Augen zu schließen und mich weit weg zu wünschen.

Spiegel hängen zu niedrig

Sonntag.   10 typisch spanische Dinge

  1. Spiegel und Duschköpfe hängen viel zu niedrig.
  2. Extrem laute Vier-Generationen-Familien im Restaurant.
  3. Müll, schamlos und in rauhen Mengen auf die Straße geworfen.
  4. Autofahrer, die wild gestikulierend hupen, wenn man über den Zebrastreifen geht.
  5. D-Jugend-Fußball zur Prime-Time im Fernsehen (22:00 Uhr).
  6. Ostereulen statt Osterhasen.
  7. Gemüse als Vorspeise statt Beilage.
  8. Kindersitze im öffentlichen Personennahverkehr (Bus).
  9. In Endlosschleife zwischernde Kanarienvögel an der Ampel.
  10. Schafe haben auf der Prachtstraße Vorrang.

Montag. Vokabeln

  • Beim Frühstücksbuffet: zumo de naranjas y melón y piña = Orangen-Melonen-Ananassaft; melocotón = Pfirsich; queso = Käse; churros = spanisches Schmalzkuchengebäck (nach Nichts schmeckende Spezialität); arroz con leche = Milchreis; mantequilla = Butter; membrillo = Quitte; bebida fria = kalte Getränke
  • Als Tourist: salida = Ausgang; entrada = Eingang; aseos = Toiletten; cafe curtado = Espresso machiato; bocadillo de jamón = Baguette mit Schinken; maletero = Kofferraum; maravilla = wunderbar; Hasta luego! = Bis bald!; mañana = morgen; coche = Auto; La cuenta, por favor. = Die Rechnung, bitte.; helado = Eis; vale = ok; buon viaje = Gute Reise
  • Und sonst noch: Que las fugas de aceite. = Er verliert Öl. (Er ist schwul.); zapato = Schuh; salud, dinero y amor = Gesundheit, Geld und Liebe.

Dienstag.  Prozession

Während der semana sancta, der Karwoche, ist in Spanien an jeder Milchkanne jeden Tag eine prosecíon. So auch in Ávila. Sehr beeindruckend, auch wenn die sechs Heiligenfiguren, die den Leidensweg Christi darstellen, nur auf Wagen geschoben und nicht eigenhändig getragen wurden. Und dennoch: Wieder einmal können sich die Protestler eine Scheibe von den Katholen abschneiden. In Inszenierungsfragen macht ihnen keiner so schnell was vor.

Vorne weg das überreich gold- und silberverzierte Kreuz. Dahinter die Jesus-Figur mit Echthaar. Gespenstisch glitt es im Rumpel-Rhythmus des Rollwagens dahin. Verfolgt wurde Jesus von den Trauerfrauen, die, ganz in schwarz gekleidet und mit nach hinten geworfenem Spitzenschleier ausgestattet, mit schwarzen High-Heels über die Straße stöckelten. Die Blaskapelle, verkleidet als Büßer mit Spitzhut und Maske a lá Kuklux Klan (der das aus Spanien geklaut hat), mit wehend weißem, weich fließendem Gewand, die Ränder rot bestickt, schwankte schauerhaft im schleichenden Schreitschritt im Takt des schaurig-schönen spanischen Schalls. Begleitet wurde die Prozession von zwei Reihen Wächtern, die, ebenfalls im Büßerlook, allerdings in gold und lila, ein Spalier bildeten.

Alles in allem war es aber viel weniger heilig, als man als harmloser Touristen-Ketzer so denkt. Da wurde die Formation verlassen, um mit den Freunden zu scherzen, da wurde Kaugummi gekaut, geraucht und getrunken. Alles während der proseción. Einige Trauerfrauen haben sogar ganz aggressiv mit Männern aus dem Publikum geflirtet, wohl um bei der nächsten prosecíon am Tag darauf etwas dolles zum Büßen zu haben. Die Büßer waren zum Teil so kleine Kinder, dass man sich fragt, was die zu büßen haben könnten, das nicht auch mit ein oder zwei Ave Marias vergeben werden würde. Gebetet wurde nicht. Aber immerhin: die Hartgesottenen sind barfuß gelaufen. Für sie wurde Tags zuvor extra die Straße gespült.

Mittwoch.  Traum

Verabschiedungsszene; drei junge Männer im Büßerkostüm warten auf die Prozession; ich, ebenfalls im Büßerkostüm, eile an ihnen vorbei; stoße beinahe mit dem Dritten zusammen, der absichtlich einen Schritt in meinen Weg gemacht hat; ich weiche aus, stolpere und falle so unglücklich hin, dass ich die quer die ganze Rampe herunterrolle, die Spitze meines Büßerhuts eine ansehnliche Spirale in die Luft zeichnend. Dann wache ich auf, mein Wecker zeigt, dass ich noch eine Minute hätte weiterrollen können.

Donnerstag.   Essenszeiten

Essen in Spanien ist eine schwierige Angelegenheit. Erstens haben die von Fastenzeit noch nie etwas gehört, geschweige denn, dass sie vegetarische Gerichte anbieten würden. Zweitens haben die Spanier merkwürdige Zeiten zum Essen. Zum Frühstück ein paar Früchte so um 10. Dann zwischendurch ein bocadillo, also ein Baguette wahlweise mit teurem lokalen Schinken oder billig importiertem Käse auf die Faust so um 1. Dann lange nichts. Ab 6 darf man an tapas denken, jene Kleinigkeiten, die angeblich als Grundlage für die zahlreichen alkoholischen Getränke gedacht sind. Abendessen gibt es frühestens um halb 9, lieber aber erst um 9. Dabei wird dann richtig geschlemmt mit mindestens drei Gängen und so. Zum Abschluss gibt's einen cafe solo, bei uns besser bekannt als Espresso. Das ist dann so ungefähr um halb 12. Allein bei dem Gedanken an spanische Essenszeiten kriege ich Hunger.

Reals Brunnen

Freitag. Verunglückte Tradition

Die Spanier sind bekanntermaßen verrückt nach Fußball. Sie sind auch Welt- und Europameister, dürfen das also auch sein. Und so kommt es, dass es in Madrid eine etwas verunglückte Tradition gibt. Sollte Real Madrid ein Fußballspiel gewinnen, was zum Glück für die Fans mit hübscher Regelmäßigkeit auch geschieht, dürfen die Fans und Spieler über die neben dem Stadion gelegene Madrider Prachtstraße zu einem Brunnen pilgern, die Spieler dürfen ihn sogar besteigen und, als klimaktisches Sahnehäubchen der Geschichte, der Kapitän der Mannschaft darf die Göttin Soundso küssen. So weit, so gut.

Athleticos Brunnen

Da es in Madrid aber zwei Top-Mannschaften gibt, kann die andere natürlich nicht hintanstehen. Die Spieler und Fans von Athletico Madrid pilgern also ein kleines Stückchen weiter zum Neptunbrunnen. Auch hier dürfen die Spieler den Brunnen erklimmen und der Kapitän darf den Gott küssen. Und das im Machismo-Land Spanien. Ob der Kapitän den Neptun küssen muss, um die Siegesfeier zum Höhepunkt zu führen, darüber sagt die Tradition wiederum nichts aus.

Nur gut für ihn, dass Athletico nicht so viele Spiele gewinnt wie Real.

Prozession entlang der Stadtmauer

Samstag.   Highlights

  • Führung im museo de prado
  • Picassos Guernica
  • Kathedrale von Toledo
  • Prozession in Ávila
  • Bibliothek der Universität von Salamanca
  • Blick auf die Altstadt von Segovia
  • Grabmal der Könige in El Escorial
  • Cioccolata caliente in der cafeteria La Pecera de Madrid

Wie es wirklich war

21. März: Frühlingsanfang
Winter lässt sein weißes Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Kalte, altbekannte Düfte
Decken immer noch das Land
Veilchen, sprießt es schon
Wird es schnell verkommen
Horch, noch ist's ein steter Eiseston!
Winter, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

So oder ähnlich hätte das berühmte Gedicht von Eduard Mörike wohl ausgesehen, wenn er diesen März hätte erleben müssen. Oder gar so verzweifelt:

Frühling will sein blaues Band
Flattern lassen durch die Lüfte
Doch mit Schnee bis an die Hüfte
Ätsch! der Winter deckt das Land

Himbeer-Sahne-Torte

Himbeer Sahne Torte

Ist nicht so schwer wie es aussieht und wie ich dachte. Man muss aber darauf achten, dass der Bisquitteig genau richtig ist. Zu klietsch und er lässt sich nicht schneiden. Zu durch und die Torte wird hart.

Park Platz Problem

Wenn man schon mal eine Parklücke gefunden hat, ist sie oft so klein, dass man kaum hinein kommt. Was tun? Dein Freund und Helfer weiß Rat und hilft dir freundlich einzuparken. Das nenn ich mal Service.

Kindheitshelden

Dass bald wieder Abitur-Prüfungen geschrieben werden, erkennt man sehr schön daran, dass sich die Abiturkinder - wie die Abiturienten von Fünftklässlern genannt werden - verkleiden. Jeder Tag der letzten Schulwoche steht unter einem anderen Motto.

Dabei stößt die Kreativität der Entscheidungsträger machmal doch an ihre Grenzen, wie die ständige Wiederholung des Mottos "Assi" beweist. Andere Motti wiederum waren sehr ansprechend: "Zeitreise" etwa oder der heimliche Höhepunkt der Woche: "Kindheitshelden". Da tauchte ein Playmobilmännchen auf, das anders als das Original Knie und Ellbogen hatte. Pippi Langstrumpf kam nicht aus Taka-Tuka-Land sondern aus Ibiza. Und die Kleine Hexe wischte auf ihrem Streichel-Fon herum.

Um für gebührende Aufmerksamkeit zu sorgen, wurde für jeden Tag der Woche in der Pause ein Fototermin angesetzt. Unter lautem Gejohle der Noch-nicht-Abiturkinder aller Größen feierten sich die Helden ihrer Kindheit selbst. Dumm nur, dass die Verkleidungen nicht für die zweistelligen Minusgrade ausgelegt waren ...

Cognac, Gin und Rum

Wenn man aus Gründen keinen Alkohol trinkt, wegen der Fastenzeit z.B., er aber dennoch für Erheiterung sorgen soll, hilft vielleicht ein Zitat weiter, nach dem Klauss heute gesucht hat. Es stammt von Erich Maria Remarque aus den "Drei Kameraden" und geht ungefähr  so:

"Golden floss der Cognac. Der Gin glänzte wie Aquamarin. Und der Rum war das Leben selber."

Und dann käme da noch etwas hinterher von wegen, die Theke sei der Kommandostand des Lebens, oder so ähnlich. Da wollte sich Klauss nicht so genau festlegen. Bei der Suche nach der Stelle im Buch hat der Kollege mit dem Allgemeinwissen in Jauch-Qualität wieder beeindrucken können, diesmal durch seine unglaubliche Fertigkeit im Hochgeschwindigkeitsquerlesen. Dabei sind ihm noch weitere Stellen aufgefallen wie "Dann betrank ich mich richtig", sodass man fast den Eindruck gewinnen konnte, die drei Kameraden wären Säufer gewesen.

Interessant wäre zu wissen, warum Klauss nach 50 Jahren wieder eingefallen ist, nach dieser Stelle zu suchen.

Die Sonne scheint!

Ich mosere nicht über das Wetter. Ich bemühe zu diesem Thema stets den Satz: "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung." Doch manchmal weiche ich von diesem Grundsatz ab. Jetzt ist ein solcher Moment. 

Das Wetter ist schlecht. Der Januar war nass, kalt und dunkel. Und was für Kleidung soll dagegen wirken? 

Bis zum 10. gab es überhaupt keine Sonne! Nicht eine einzige Minute. Kein Wunder, dass die durchschnittliche Sonnenscheindauer in Hannover nur zu 44% erreicht wurde: Zwei-und-Zwanzig Stunden. Für meine Vitamin D-Produktion ist das eindeutig zu wenig. Letztes Jahr im Januar gab es immerhin 50 Stunden Sonne.

Hier findet man im Übrigen die Werte als Nachweis für mein Gefühl. Nicht, dass ich - wie einige prominente andere meiner Profession - als Plagiator betitelt werde und mir mein nicht vorhandener Doktorgrad aberkannt wird.

Fastenzeit andersrum

Die frommen Katholiken dürfen 40 Tage lang kein Fleisch essen und müssen auch sonst eine Menge strenger Regeln beachten. Falls sie das nicht tun, kommt eine ihrer besten Erfindungen zum Einsatz: das Fegefeuer. Die Angst davor treibt Katholiken offenbar zu schieren Höchstleistungen an. (Nebenbei: Sollte der wieder fehlbare Joseph Ratzinger auch Angst vor dem Fegefeuer haben?) Dabei hat schon unser guter alter Reformator Luther gewusst:

"Andererseits, wenn er fände, dass ihm vom Fasten der Kopf wüst und toll oder der Leib und der Magen verderbt würde […], so soll er das Fasten ganz gehen lassen und essen, schlafen, müßig gehen, so viel ihm zur Gesundheit nötig ist.“

Für mich geht es - wie Luther - eher um die Frage, auf welchen zur Gewohnheit gewordenen Luxus möchte - und dringender: kann - ich 40 Tage lang verzichten. Das Offensichtliche zuerst geklärt:

  • Fleisch? Kommt nicht in Frage.
  • Alkohol und Zigaretten? Wo nichts ist, kann man auch nichts weglassen.
  • Fernsehen und Süßigkeiten? Dito.
  • Auto oder Internet? Das würde mir gut tun, meiner Arbeit aber nicht.
  • Musik? Musik gehört wie atmen, essen und schlafen zu den Grundbedürfnissen des Menschen, oder warum gibt es keine menschliche Gesellschaft ohne Musik?
  • Sex? Dito.

Worauf also verzichten? Verzwickt. Letztendlich ist die Entscheidung zugunsten des Fleischs ausgefallen. Allerdings brauchte es dazu eine Entscheidungshilfe, sei sie nun göttlicher oder profan biologischer Natur: Als wäre ich ein streng gläubiger Katholik mit Angst vorm Fegefeuer habe ich alles, was ich seit Aschermittwoch zu mir genommen habe, rückwärts wieder von mir gegeben. Tieznetsaf!

Auf besonderen Wunsch

Man mag es mir nachsehen: Musiktheorie gehört zu meinen Steckenpferden. Auf besonderen Wunsch und auch, weil ich meinem Steckenpferd mit einer App ein neues Spielzeug geschenkt habe, werden in einer neuen Rubrik nun nach und nach kleine Videos veröffentlicht, die sich mit dem 1x1 der Musiktheorie beschäftigen.

Hier geht es zu "Wie geht eigentlich ... Musiktheorie?"

Wie geht es weiter?

1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, ...
1, 2, 4, 8, 16, ...
1/1, 3/2, 7/5, 17/12, ...
1, 10, 11, 100, ...
1, 2, 3, 5, 7, 11, 13, ...
c, d, e, f, g, a, ...

Vom Unterschied zwischen Aussage und Bedeutung

Herrenreiter, Eintänzer, Gigolo, Fregatte, Blaffer, Pferdeschwanzträger, Swuttjer.

Wenn Klauss in Erinnerungen schwelgt, begegnen einem die erstaunlichsten Wörter. Allerdings erschließen sich ihre Bedeutungen nicht unmittelbar. Im Gegenteil: Meist verbirgt sich dahinter eben gerade nicht, was man vielleicht als erstes vermutet. Außer bei Eintänzer. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Auf ein Neues

"Früher war alles besser", behauptet der Volksmund genauso wie die Wise Guys. Keine rosige Perspektive.

Als das Geld noch in D-Mark gemessen wurde, als das Benzin noch Blei statt Mais enthielt und als eine Erhöhung seines Preises um drei Pfennige eine Meldung in der Tagesschau wert war. Da war alles besser.

Als man noch sicher sein konnte, dass die Welt sowieso bald untergehen würde, als es noch autofreie statt verkaufsoffene Sonntage gab und als die Menschen noch gegen den Krieg demonstrierten. Da war alles besser.

Als es noch B-Seiten gab, als noch das Wir-Gefühl statt Ich-Wolken die Kommunikation beherrschte, als der C64 noch das Maß aller Dinge war. Da war alles besser.

Mal sehen, was im alten Jahr besser gewesen sein wird. Oder welche Dinge verschwinden, die wir aber höchstens heimlich vermissen. Rosige Wünsche für 2013.

"Fiti" oder Die Logik der Laute

Beim Vorlesen eines Zirkusbilderbuches frage ich meine dreijährige Patentochter, wie denn der Esel mache. Sie, noch velegen: "I-aah!" Genau.

Ich frage weiter nach den Schweinen. Sie, jetzt sicher: "Oiiink!" Richtig.

Ich blättere um und stelle zu meinem Entsetzen fest, dass ich nicht mehr weiß, wie ein Affe macht. Sie, ohne gefragt zu werden: "Hu-ho-ah-ah-hoah!" Ach ja!

Aber dann: Auf der nächsten Seite zeige ich triumphierend auf den Tintenfisch, im festen Glauben, ein Tier gefunden zu haben, von dem auch sie nicht weiß, wie es macht. Sie, wie aus der Pistole geschossen: "Fiti!"

Als ich widerspreche, fragt sie: "Hast du schon mal einen Tintenfisch gehört?" Vor Erstaunen bleibt mir der Mund offen stehen. Sie, als stolze Siegerin des Tierlaut-Nachmachwettbewerbs, bestätigt mir im Brustton der Überzeugung, dass eine Kuh eben "Muh" und ein Tintenfisch eben "Fiti" mache. Die Logik ist bestechend.

Kochen

1 kochen: das Essen zubereiten, Essen machen, richten, bereiten, rüsten (schweiz.), anrichten, anmachen;  braten, garnieren, würzen;

2 kochen: brodeln, sieden; die -de Volksseele: Erregung; mit -dem Wasser übergießen: blanchieren; gar | weich k.: sieden; es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird: abwarten; die Hasen k. [wieder]: nebeln; sein Süppchen am Feuer anderer k.: bereichern (sich); zum Kochen bringen | kommen lassen: sieden.

3 kochen: backen, braten, dämpfen, dünsten, frittieren, garen, grillen, quellen, schmoren. 

Die Bahn überrascht

Als ich im Sommer aus Gründen nach Bayern fuhr, hatte der Zug über eine Stunde Verspätung. Das an sich ist nicht überraschend. In meiner Naivität wollte ich beim Servicecenter Fahrgastrechte den mir zustehenden Teil der Kosten erstattet bekommen. So begann meine Odyssee der Auskünfte:

  • Schaffner: Antrag ausfüllen, am Schlter bekommen Sie ihr Geld.
  • Schalterbeamter: Ich brauche die Fahrkarte. Handy-Ticket? Buchungsbestätigung einschicken.
  • Servicecenter: Buchungsbestätigung vom Handy-Ticket? Ich brauche die Fahrkarte.
  • Kundencenter: Handy-Ticket ausdrucken? Das geht nicht.
  • Kundencenter (nächster Tag): Handy-Ticket ausdrucken? Das ist nicht nötig. Mail reicht.
  • Servicecenter: Fahrkarte per Mail? Ich brauche sie als Fax.
  • Kundencenter: Fahrkarte an das Servicecenter faxen? Fax einschicken.
  • Servicecenter: Fax vom Handy-Ticket? Ich brauche die Buchungsbestätigung.
  • Servicecenter (nach Monaten des Wartens): Ich brauche die Fahrkarte.

Da war ich wieder am Anfang. Naivität und Vertrauen auch in dieses Unternehmen hatte ich irgendwo zwischen den ganzen Schriftstücken mit abgeheftet. Aber dann geschah etwas, das mich überraschte:

  • Servicecenter (kurz vor Weihnachten): Anwalt? Presse? Wir überweisen Ihnen das Geld.

Eine Entschuldigung wär mir lieber gewesen.

Dafür gibt es Männer

Eigentlich sollte es ein ganz normaler Filmclubabend werden. Alles war vorbereitet: die Anlage war angeschlossen, die Boxen waren mühsam verkabelt und die neue Leinwand war aufgehängt worden. "Der Engel mit der Posaune" (die sich aber als Trompete herausstellte) sollte gezeigt werden. Soweit, so gut.

Nachdem die Damen schön kuschelig in einer Reihe auf dem Sofa Platz genommen hatten (für die Männer waren Plätze auf dem Fußboden vorgesehen), sollte die Leinwand heruntergelassen werden. Und das geschah auch, allerdings mitsamt der Halterung, Schrauben und Dübeln. Erinnerungen wurden wach an das Filmclubtreffen, bei dem die Heizung ihr gesamtes Wasser ins Wohnzimmer ergoss. Diesmal aber: Drei Männer können die Leinwand und damit den Filmclubabend retten.

Also wir drei Männer das schwere Ding erstmal ganz rausgerissen, mit der gut sortierten Werkstatt beeindruckt, unter lautem Gejohle und klügsten Kommentaren der Frauen neue Löcher gebohrt, unter Aufbietung aller vorhandenen Muskelkraft die Leinwand in Position gehalten bis die filigrane Fummelarbeit mit den Federklappdübeln vollendet war und schließlich den Dreck noch weggemacht.

Das alles taten wir unter strengster Beobachtung der auf dem Sofa aufgereihten Frauen, die das ganze filmdokumentarisch festhielten. Und uns am Ende ihren Dank in Form einer einfachen Lebensweisheit entgegen schleuderten: "Dafür git es Männer."

Ein toller Job

Als ich mich neulich mal wieder vor die Aufgabe gestellt sah, für Schüler verhältnismäßig unwichtige und zugleich unverständliche musiktheoretische Phänomene zu erklären, geschah etwas Unerwartetes: Ein Schüler, der sonst keine Probleme hat, mir zu folgen, stellte plötzlich auffällig viele Fragen, die deutlich machten, dass er das musikalische Phänomen sowas von überhaupt nicht verstanden hat.

Irgendwann, nach einer geraumen Zeit, sagte ich ihm, dass ich jetzt keine Lust mehr hätte, seine Fragen zu beantworten und lieber mit allen singen würde. Daraufhin fing ein anderer laut an zu lachen und sagte: "Lehrer muss ein toller Job sein. Wenn man keine Lust mehr hat, Fragen zu beantworten, geht man einfach ans Klavier und klimpert ein bisschen herum." 

Nachdem ich ihm Recht gegeben, mit allen gesungen und die Stunde beendet hatte, dachte er noch immer laut darüber nach. "Ich würd es trotzdem nicht machen. Da muss man sich mit Leuten wie uns rumschlagen." Solche selbstreflektierten Blitzweisheiten machen aus dem Job einen tollen.

Aller Anfang ist schwer

"Ich hasse Einleitungssätze", murmelte der Schüler während der Klausur und schrieb nieder: "In der Fuge gibt es einiges zu entdecken." Wie recht er hat.

Ohne Worte

Dänische Westsee